Lehrerteil

TEIL I: ÜBERSICHT

Wenn wir nie ein Wort aus dem Mund Jesu gehört hätten, könnten wir immer noch ein Leben lang von ihm lernen. Die Tatsache, dass er den Himmel verlassen hat, um in diese Welt zu kommen, und sein Handeln auf der Erde sprechen Bände. Vielleicht ist das der Grund, warum alle Briefe des Neuen Testaments nur wenige Worte Jesu zitieren, sondern sich stattdessen damit beschäftigen, wer er ist und wie er lebte.

Jesus ist ein Doppelgewinn [two-for-one deal]. Ihn kennenzulernen bedeutet, einen anderen kennenzulernen. „Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.“ (Joh 14,8) Man kann die schmerzliche Überraschung und das Staunen in der Stimme Jesu hören, als er antwortet: „So lange bin ich bei euch …“ (V. 9) Er erwartete von seinen Jüngern, dass sie wissen, was der Autor des Hebräerbriefs weiß: „Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens.“ (Hbr 1,3) Ein wichtiges christologisches Thema im Neuen Testament ist, dass Jesus offenbart, wie Gott ist. Sein Gesicht offenbart Gottes Antlitz (2 Kor 4,6). Wenn wir Bibelkunde unterrichten, sollten wir ihre Lehren im Licht des Charakters Gottes ausdrücken. Dieser Charakter zeigt sich am besten in dem Einzigen, der allein sagen kann: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ (Joh 14,9) Unabhängig von den Erfahrungen der Menschen, der Anzahl der zitierten Bibeltexte oder der Ehrfurcht vor den Lehren der eigenen Religionsgemeinschaft muss das Leben Christi also immer als Korrektiv unserer Gottesbeschreibungen dienen.

TEIL II: KOMMENTAR

Illustration

Wer ist also Jesus von Nazareth? Die Antwort hängt oft davon ab, wer die Frage stellt. Während einer Versammlung wurde ich von einem Pastor einer anderen Denomination gefragt, wer Jesus meiner Meinung nach sei. Aufgrund des Kontextes und der Tatsache, wer fragte, wusste ich, was er wollte. Er wollte nicht wissen, ob Jesus der Messias ist oder die Offenbarung des Vaters oder unser bester Freund. Er wollte wissen, ob ich glaube, dass Jesus das ewige, präexistente, allmächtige, allwissende Alles-was-auch-immer sei, das bestätigt, dass Jesus wirklich Gott ist. Die Jünger hingegen gaben eine andere Antwort als ich. Der Bericht von Matthäus antwortet mit: „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Mt 16,16) Der Text verdichtet sich mit Lukas: „Du bist der Christus Gottes!“ (Lk 9,20), und Markus sagt einfach „der Christus“ (Mk 8,29). Offensichtlich war Jesus als Messias die schwebende Frage während seines Dienstes. Im Lauf der Zeit verändern sich manchmal die Themen und Fragen über Jesus. Auch wenn sich Jesus nicht verändert, kann es je nach Kontext und Zuhörerschaft von Vorteil sein, den Schwerpunkt dessen, wie wir ihn vorstellen, zu verändern.

Wer Jesus ist, kann auf verschiedene Weise vermittelt werden. Denke daran, dass die Zuhörer dazu beitragen, die Optionen einzugrenzen. Hier ist ein extremes Beispiel: Ein Junge auf dem Sterbebett braucht nicht von der hypostatischen Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur Jesu zu hören, wie sie vom Konzil von Chalcedon artikuliert wird. Er braucht einen tröstenden Freund. Andere Orte bieten Gelegenheit zu einer gelehrten Diskussion über die Einzelheiten der Person Christi. Für uns als Lehrende ist es unerlässlich, dass wir unterschiedliche Arbeitssituationen erkennen und Christus gut genug kennen, um genau den richtigen Blick auf seine Persönlichkeit zu vermitteln, der am besten zu dem Moment passt.

Bibel

„Die Fackel weitergeben“ ist eine Redewendung, die auf griechische Läufer zurückgeht, die in einer Laufstaffel eine Fackel weiterreichten, wobei der letzte Läufer mit der Fackel in der Hand die Ziellinie überquerte. Die Bibel zeigt eine Fackelübergabe, die gleichzeitig spannend und ernüchternd ist. Wie die Studienbetrachtung zeigt, kam Jesus, um zu offenbaren, wie der Vater ist. In gewisser Weise reichte der Vater dem Sohn eine Fackel, sodass das Gesicht des Sohnes den Charakter des Vaters für unseren Blick erhellt. Hier sind einige biblische Ausschnitte dazu:

– „Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit.“ (Hbr 1,3)

– Jesus ist „das Ebenbild seines Wesens.“ (Hbr 1,3)

– Die „Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.“ (2 Kor 4,4)

– „Die Erleuchtung … zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“ (2 Kor 4,6)

– „Wer … [Jesus] sieht, der sieht den Vater.“ (Joh 14,9)

Die Autoren des Neuen Testaments wollen uns zweifellos zu dem Schluss führen, dass wir, wenn wir Jesus sehen, ein zutreffendes Bild davon haben, wie der Vater ist.

So absolvierte Jesus also seine Etappe des Rennens. Gibt er die Fackel weiter? Ja, das tut er. Natürlich bleibt er das vollkommenste Bild seines Vaters und wird es auch immer bleiben, aber er gibt die Fackel als Ausdruck gemeinsamer Verantwortung und Privilegien an seine Nachfolger weiter.

Beachte den „Auftrag“, den er seinen Jüngern gab – einen Auftrag, der vielleicht sogar größer ist als das, was man typischerweise als den Missionsbefehl bezeichnet (Mt 28,18–20). Nachdem er zweimal den Frieden über seine Jünger ausgesprochen hat, verkündet er: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20,19.21) Noch nie hatte das kleine Wörtchen „wie“ die Ehre, eine derartige Bedeutung in sich zu tragen. So wie der Vater Jesus sandte, um der Welt zu zeigen, wer er (der Vater) ist, so sendet Jesus jetzt uns, um der Welt zu zeigen, wer er (Jesus) ist. Die Fackel wurde weitergereicht.

Es ist nicht verwunderlich, dass dieses „Den Jüngern die heilige Last auf die Schultern“-Legen zwischen zwei bevollmächtigende Taten Christi eingebettet ist. Erstens spricht er ihnen „Frieden“ zu, während er sie auf seine Narben blicken lässt. Langsam öffnet er sein Gewand, damit sie seine durchbohrte Seite sehen und berühren und seine vernarbten Hände halten können. „Fasst mich an und seht.“ (Lk 24,39) Und während sie ihren auferstandenen Erlöser umringen, sagt er erneut: „Friede sei mit euch“, als wollte er eine Verbindung zwischen seinen Wunden und dem Frieden, mit dem er sie segnet, herstellen (Joh 20,19–21). Sie haben jetzt Frieden – einen Schalom –, der wahrhaftig alles Verstehen übersteigt und sie zur Versöhnung mit Gott führt (Phil 4,7; Röm 5,1). Dann sagt er ihnen, dass er sie so sendet, wie ihn sein Vater gesandt hat, aber nicht bevor er eine letzte Handlung vollbringt. Er haucht sie an und sagt: „Empfangt Heiligen Geist!“ (Joh 20,22 EB) Dies wird das Geheimnis ihres Erfolgs sein. Der erneuernde und befähigende Einfluss des Geistes Gottes wird es ihnen ermöglichen, ihren Erlöser widerzuspiegeln.

Wenn man darüber nachdenkt, dass Jesus die Fackel der Offenbarung an sein Volk weitergab, kommen einem eine Reihe von Versen in den Sinn, die den Gedanken verstärken, dass wir zu diesem Zweck geschaffen und erlöst wurden.

  1. Jesus ist das ausdrückliche Ebenbild Gottes (Hbr 1,3), und die Menschheit wurde nach Gottes Ebenbild geschaffen, wie wir lesen: „Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich!“ (1 Mo 1,26 EB)
  2. Jesus ist das Ebenbild Gottes, aber wir sollen wieder zum Ebenbild Jesu werden: „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes.“ (Röm 8,29) „Wir alle … werden verwandelt in sein Bild.“ (2 Kor 3,18)
  3. Jesus ist das Licht der Welt (Joh 8,12), aber wir sind es auch: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,14)
  4. Jesus ist das fleischgewordene Wort (Joh 1,14), „in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kol 2,9); im erweiterten Sinne wird das Volk Gottes „der Leib Christi“ genannt (1 Kor 12,27).

Die Liste der Parallelen zwischen der Mission Jesu, dieser Welt die Wahrheit über Gott zu offenbaren, und der Art und Weise, wie er sein Volk zur Fortsetzung derselben Mission qualifiziert hat, geht weiter. Unser Gebet ist, dass wir bis zum Ende die Fackel tragen, die uns von Christus übergeben wurde, um die Welt mit der Erkenntnis seines Charakters zu erleuchten.

Illustration

Ein Erweckungsprediger hat sich einmal einige Gedanken darüber gemacht, Gottes Ebenbild zu sein. Wie in der Studienbetrachtung angerissen, spricht Hebräer 1,3 von Christus als dem charakter des Vaters. Das griechische Wort charakter bezeichnete zunächst das von einem Graveur benutzte Gravurwerkzeug. Schließlich bezeichnete es das Zeichen oder die Spur, die das Werkzeug hinterlässt, eine Prägung, wie man sie auf einer Münze sieht. Das Ziel war, eine genaue Reproduktion des Bildes des Königs auf jenen Münzen herzustellen. Jesus wurde einmal gefragt, ob es rechtmäßig sei, Steuern an den Kaiser zu entrichten. Er bat um eine Münze und fragte seine Zuhörer, wessen Bild auf der Münze abgebildet sei. Sie antworteten „des Kaisers“, woraufhin Jesus seinen berühmten Satz sagte: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ (Mt 22,21) In gleicher Weise wird Jesus eines Tages auf diese Erde zurückkehren und nach seinen eigenen „Münzen“ suchen. Wenn er das tut, braucht er nur die gleiche Frage wie schon vor 2000 Jahren zu stellen: Wessen Bild ist auf diesen Münzen zu sehen? Wenn wir das Bild Christi tragen und der Name des Vaters auf unserer Stirn eingeprägt ist (Offb 22,4), dann wird die gute Nachricht zu hören sein: Gebt „Gott, was Gottes ist“ (Mt 22,21). Gott wird seine Münzen einsammeln, und wir können nach Hause gehen – endlich.

TEIL III: ANWENDUNG

Wie ein Christ zu sprechen, die Kirche wie ein Christ zu besuchen, Lehren wie ein Christ zu erklären und sich selbst Christ zu nennen sind niemals Ersatz dafür, tatsächlich ein Christ zu sein. Es gibt keine Menschen, die diesen Unterschied besser verstehen als unsere Kinder, die jeden Schritt ihrer Eltern, ihrer Lehrer und ihrer religiösen Leiter beobachten. Sie sind vielleicht nicht in der Lage, es zu artikulieren, aber sie bewerten die adventistische Erziehung entweder bewusst oder unbewusst auf der Grundlage dessen, wie Adventisten leben. Dies ist die Quintessenz. Deshalb ist es nicht verhandelbar, ob wir das Bild Gottes in unserem täglichen Leben reflektieren, wenn wir wollen, dass adventistische Erziehung Erfolg hat.

Fragen für ein Gespräch

1. Woher weiß man, ob jemand ein echter Christ ist?

2. Inwiefern sollte bei einem Beschäftigungsverhältnis in der Kirche, wo ein Lehrer oder Leiter Hunderte oder vielleicht Tausende von Kindern beeinflussen kann, Rechenschaftspflicht eine Rolle spielen?

3. Wie sehr sollten wir uns auf die Rückmeldungen der Lernenden verlassen, um zu bestimmen, ob jemand ein Gott zugewandter Lehrer ist, der weiter beschäftigt werden sollte?

4. Der Titel dieser Studienbetrachtung lautet: „Jesus, der Meisterlehrer“. Glaubt ihr, dass dieser Gedanke in unseren Familien und Schulen laut und deutlich zu hören ist? Wenn nicht, wie könnten wir unsere Kinder so unterrichten, dass sie sagen: „Ich bin heute von Jesus unterrichtet worden“?

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