Mit Gott erlebt

Die schwärzeste Nacht des Missionars

Merry Grace Baloria

Starker Regen weckte mich um 0:45 Uhr. Es war völlig dunkel in dem kleinen Haus, das ich mit meinem Missionarspartner in der Provinz Ost-Samar teilte. Ein starkes Erdbeben hatte zu Stromausfall in der Gegend geführt. Ich konnte nichts sehen, aber hörte seltsame Geräusche. Ich griff mir eine Taschenlampe und richtete den Strahl auf die Tür. Ich konnte niemanden entdecken, aber war mir sicher, dass ein Eindringling im Haus war. Zitternd vor Angst kniete ich unter dem Moskitonetz, das unsere Betten überspannte. „Herr, bitte rette uns, so wie du Daniel und Josef gerettet hast“, betete ich. „Ohne dich wären wir nicht hier.“ Ich legte mich auf mein Bett und wiederholte zitternd Psalm 23,1: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Ich nahm die Taschenlampe wieder in die Hand. Was ich sah, erschreckte mich zutiefst: Direkt vor mir stand ein Mann mit roten Augen und nassem Haar. Er hielt ein großes Bolo-Messer in der Hand.

Vor Angst schrie ich aus vollem Hals. Mein Freund erwachte, und wir riefen um Hilfe. Der Eindringling stürzte sich mit dem Messer auf uns, und wir versuchten, ihn wegzustoßen. Plötzlich traf mich etwas Hartes. Ich fiel zu Boden, Schmerz schoss durch meinen Körper. „Herr, werde ich sterben?“, dachte ich nur.

Als ich hörte, wie jemand versuchte, die Haustür zu öffnen, rief ich: „Mach das Fenster auf!“ Mein Freund und ich rannten zum Fenster und sprangen hinaus. Eine Nachbarin sah mein verletztes Gesicht und fragte, was passiert sei. Als sie von dem Angreifer hörte, lief sie aus Angst um ihre eigenen Kinder nach Hause.

Mein Freund und ich liefen barfuß durch nasse, verlassene Straßen und riefen um Hilfe. Alle schienen zu schlafen. Schließlich brachte uns jemand um drei Uhr morgens ins Krankenhaus. Mein Freund hatte an einer Hand und einem Fuß leichte Schnittwunden. Ich hatte einen tiefen Schnitt vom linken Auge bis zum Kiefer und musste genäht werden.

Der glücklichste Moment in dieser dunklen Nacht kam mit der Morgensonne. Es war, als würde sie nur für mich scheinen. Ich spürte die tiefe Liebe Jesu. Er war von Anfang an bei mir gewesen und würde bis zum Ende bei mir bleiben, wie der Hirte, der über seine Schafe wacht. Gott zeigte mir während der schwärzesten Nacht meines Lebens sein wunderbares Licht. Der Angreifer wurde an diesem Morgen gefasst.

Ich ließ mich von diesem Vorfall nicht entmutigen. Acht Monate später, mit 22 Jahren, begann ich mein zweites Dienstjahr als Missionar, diesmal in Südkorea. Jetzt bin ich im dritten Dienstjahr. Ich danke Gott für diese Erfahrung. Meine Lebenseinstellung hat sich verändert. Mein Leben gehört nicht mir, sondern Gott.

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