Lehrerteil

TEIL I: ÜBERSICHT

Wir können nicht den ganzen Tag damit verbringen, zu analysieren oder zu überprüfen, ob jede einzelne unserer Überzeugungen wahr ist oder nicht. Wir haben Arbeit, Familie und Verantwortlichkeiten, die vollzeitliches Philosophieren normalerweise ausschließen. An einem Punkt unserer Reflexionen legen wir uns auf eine Reihe von Grundsätzen fest, die wir für wahr halten. Diese Prinzipien sind weit gefasst und beschäftigen sich gewöhnlich mit Fragen nach Ursprung, Bedeutung, Moral und Schicksal. Zusammengenommen bilden sie unsere Weltanschauung. Diese Weltanschauung wird dann zu einer Linse, durch die wir die Welt sehen und anhand derer wir neue Informationen, die uns erreichen, verarbeiten, aufnehmen und überprüfen.

Diese Studienbetrachtung konzentriert sich auf die Notwendigkeit, eine biblische Weltanschauung zu lehren. Sie stellt diese Notwendigkeit einer naturalistischen/materialistischen Weltanschauung gegenüber (d. h., dass nichts Übernatürliches existiert und dass alles erklärt und auf Physik und Chemie reduziert werden kann). Im Gegensatz dazu ist für die biblische Weltanschauung nicht nur die Aussage zentral, dass Gott existiert, sondern auch dass er ein persönlicher Gott ist, der mit seiner Schöpfung in Beziehung tritt. Seine schöpferische Kraft erklärt das materielle Universum, einschließlich uns. Seine erlösende Kraft offenbart sein Herz, zeigt seine Absicht der Wiederherstellung für das Universum und die Menschheit und sichert unsere Zukunft. Weltanschauungen, die vom biblischen Zeugnis abweichen, zum Beispiel die naturalistische Evolutionstheorie, können leicht den Wert des Menschen untergraben. Wir können diese Wahrheit in den folgenden düsteren Beispielen deutlich erkennen.

TEIL II: KOMMENTAR

Illustration

Weltanschauung ist eines der Wörter, denen man große Bedeutung nachsagt. Da wir aber scheinbar gut durchs Leben kommen, ohne uns ausdrücklich darauf zu beziehen, besteht die Versuchung, seine Bedeutung für überbewertet zu halten. Es ist wahr; ein Spaziergang mit einem Freund, bei dem man über dieses oder jenes diskutiert, gibt selten Anlass, über die ersten Prinzipien der Logik oder über konkurrierende ethische Paradigmen zu sprechen. Aber wenn dieser Spaziergang die Blutstraße zur Gedenkstätte Buchenwald entlangführt, dann bekommt die Weltanschauung eine erschreckende Bedeutung. Buchenwald war zusammen mit anderen Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs Teil der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, die sich der Tötung von Juden, politischen Dissidenten, Zigeunern und anderen „Unerwünschten“ widmete. Lies, wie Viktor Frankl, selbst ein Holocaust-Überlebender, die Ursprünge dieses Albtraums erklärt:

„Wenn wir einem Menschen ein Menschenbild präsentieren, das nicht wahr ist, können wir ihn durchaus korrumpieren … Das letzte Stadium dieser Korruption habe ich in meinem zweiten Konzentrationslager, Auschwitz, kennengelernt. Die Gaskammern von Auschwitz waren die letzte Konsequenz der Theorie, dass der Mensch nichts anderes als das Produkt von Vererbung und Umwelt ist – oder, wie die Nazis gerne sagten, von ‚Blut und Boden‘. Ich bin absolut überzeugt, dass die Gaskammern von Auschwitz, Treblinka und Majdanek letztlich nicht in irgendeiner Ministerialabteilung oder Ähnlichem in Berlin vorbereitet wurden, sondern an den Schreibtischen und in den Hörsälen nihilistischer Wissenschaftler und Philosophen.“ (Viktor Frankl, The Doctor and the Soul: From Psychotherapy to Logotherapy, New York 1986, S. xxvii)

Deshalb ist Weltanschauung wichtig. Sie kann eine Wirklichkeit gestalten, in der Licht zu Finsternis und Finsternis zum Licht wird, in der das Böse gut und das Gute böse ist (Jes 5,20). Es ist intellektuell naiv und engstirnig, Gräueltaten einfach dadurch zu erklären, dass man die Täter „Monster“ nennt oder ihnen einen anderen entmenschlichenden Beinamen gibt, ohne zum Kern der Frage vorzudringen, warum Menschen tun, was sie tun. Viele „Monster“ der Geschichte begegneten ihren Frauen und Kindern liebevoll, machten Witze mit Freunden, ließen ihre kichernden Enkelkinder auf ihren Knien hopsen und standen jeden Morgen auf, um die Gräueltaten des jeweiligen Tages auszuführen. Deshalb ist Weltanschauung wichtig. Und deshalb muss die Antwort auf die Frage des Psalmisten, „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“ (Ps 8,5), immer mit „nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie“ (1 Mo 1,27 EB) beginnen.

Gibt es eine Religion oder ein philosophisches System, das dem menschlichen Leben einen höheren Stellenwert einräumt als die Aussage des Christentums, dass der Mensch der geschaffene, geliebte Bildträger des einen Gottes ist? Diese Wahrheit bringt die Glaubensüberzeugung mit sich, dass Christen, einschließlich Siebenten-Tags-Adventisten, in gewisser Weise die Beschützer des Wertes und der Würde der Menschheit sind, konkurrierende Weltanschauungen angehen und dabei die eine hohe Sichtweise dessen vermitteln sollten, was es bedeutet, Mensch zu sein.

Manche mögen die Annahme, die Würde des Menschen müsse im modernen 21. Jahrhundert verteidigt werden, für Größenwahn halten. Aber der (post-)säkulare Ansatz hat es schwer, den objektiven menschlichen Wert (oder überhaupt etwas Objektives) zu begründen. In einer inzwischen berühmten Debatte zwischen dem christlichen Apologeten Greg Bahnsen und dem Atheisten Gordon Stein fragte jemand aus dem Publikum, warum Hitler-Deutschland falsch gewesen sei. Stein, der die atheistische Position vertrat, konnte keine bessere Antwort geben, als zu sagen, dass das, was Hitler tat, gegen den moralischen „Konsens“ der westlichen Zivilisation verstieß. Im Grunde genommen war es falsch, weil die westliche Zivilisation zuvor entschieden hatte, dass Verhaltensweisen dieser Art (z. B. Völkermord) falsch seien. Wenn die Entscheidung innerhalb dieser moralischen Weltanschauung aus irgendeinem Grund die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen hätte, dann hätte alles, was von den Nazis getan worden war, problemlos als moralisch vertretbar angesehen werden können. Vergiss dabei nicht: Gordon Stein ist kein Nazi-Propagandist der 1930er-Jahre. Er ist ein jüdisch-amerikanischer Gelehrter, der im Jahr 1985 an der Universität von Kalifornien in Irvine, USA, eine Debatte führte.

Beachte, dass weder Stein noch die Nazis eine Weltanschauung vertreten, die den innewohnenden Wert der Menschheit hochhält. Steins Deutungsrahmen einer mehrheitlich bestimmten Moral hat die gleiche Wirksamkeit bei der Eindämmung des Bösen wie ein Papiertiger. Letztendlich werden diejenigen, die sich dieser moralischen Weltanschauung anschließen, logischerweise zu dem Schluss kommen, dass es keine objektive moralische Verpflichtung gibt, sich der Mehrheit anzuschließen, und einfach das tun, was „recht in … [ihren] Augen“ ist (Spr 21,2 SLT; siehe auch 5 Mo 12,8; Ri 21,25). Die Tatsache, dass böse Regime oder Individuen kommen und gehen, ist zu erwarten; beunruhigend ist, dass die Kernweltanschauungen, die sie geprägt haben, noch immer „an den Schreibtischen und in den Hörsälen nihilistischer Wissenschaftler und Philosophen“ zu hören sind.

Weltanschauung und Gesetz

Die meisten Menschen würden zustimmen, dass sie sich zu einer Weltanschauung bekennen, die irgendeine Form der Gesetzeseinhaltung unterstützt. Wenn allerdings ihr Konzept der Gesetzeseinhaltung in erster Linie von den Rechtsordnungen ihrer Länder beeinflusst wird, kann es einen entscheidenden Unterschied zwischen einem jüdisch-christlichen Rechtsverständnis und anderen Formeln geben.

Dr. Joel Hoffman hebt einen selten erwähnten Unterschied zwischen den Zehn Geboten und anderen Rechtsordnungen hervor. Er nimmt als Beispiel einen hinterhältigen Teenager, der darüber nachdenkt, seine finanzielle Zukunft dadurch abzusichern, indem er eine wohlhabende ältere Frau heiratet, sie tötet und sieben bis zwölf Jahre Gefängnis in seine Überlegungen einbezieht. Er wägt die Konsequenzen ab; er würde mit etwa 30 Jahren aus dem Gefängnis kommen, wäre aber für den Rest seines Lebens reich. Er entscheidet, dass es sich lohnt. Hoffman erklärt, dass es im gesamten amerikanischen Recht nichts gibt, was besagt, dass man nicht zu einer solchen Überlegung berechtigt ist. Nirgendwo steht im amerikanischen Recht, dass man, wenn man bereit ist, die Zeit abzusitzen, das Verbrechen trotzdem nicht begehen sollte.

Hier heben sich die Zehn Gebote ab, gerade weil sie keine konkreten Konsequenzen für das Nichteinhalten angeben. Sie sind ein moralisches Gesetz, kein juristisches Gesetz. Natürlich machen diese Gebote später auch das Gesetzbuch des Volkes Israel aus. Aber die Gebote sagen uns, was wir tun und was wir lassen sollen, nicht, um bestimmte spezifische Konsequenzen zu vermeiden, sondern weil Gott das kommuniziert, was moralisch richtig und was moralisch falsch ist – was das amerikanische Recht (Amerika ist in dieser Hinsicht wahrscheinlich repräsentativ für andere Länder) nicht tut. Vielleicht werden die Zehn Gebote auch deshalb nicht als „Gebote“ (mitsvot), sondern als „Worte“ (debarim) eingeführt (2 Mo 20,1). (Siehe Joel M. Hoffman, „Interpreting Language“, auf: youtube.com, 9.9.2011, bit.ly/2U1IoXr; letzter Zugriff: 2.6.2020)

Als Siebenten-Tags-Adventisten, die sich in Lehrpositionen befinden, müssen wir der nächsten Generation die Einzigartigkeit des Gesetzes Gottes vermitteln. Wir „verpacken“ die Zehn Gebote oft als Gesetzesvorschriften, um junge Menschen zum Gehorsam zu „scheuchen“, aber dadurch können wir Gottes Gesetz seiner einzigartigen moralischen Autorität berauben. Jeder dumme Tyrann kann aus einer Laune heraus ein Gesetz erfinden und bei Todesstrafe Unterwerfung befehlen. Anstatt Menschen durch die Aufzählung schwerwiegender Konsequenzen zum Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen zu motivieren, können wir als Lehrer vielleicht vermitteln, welch ein Privileg es ist, überhaupt zu wissen und zu verstehen, was das moralische Gesetz Gottes (und des Universums) ist. Und das ist erst der Anfang. Diese moralischen Gesetze und Prinzipien durch den Geist Gottes in unsere Herzen und unseren Verstand geschrieben zu bekommen, damit wir seinen Charakter widerspiegeln können, ist ein fast unbegreifliches Privileg, ganz zu schweigen von den ungeheuren und unzähligen Segnungen, die folgen (Jer 31,35; Röm 8,4). Stell dies der massiv verwirrten Moral der Welt und dem daraus resultierenden Schmerz gegenüber, und man sollte hoffen, dass die Menschen Schlange stehen, um Gottes Gesetze kennenzulernen und ihr Leben durch sie verändern zu lassen (Jes 60,1–3, Mi 4,2).

TEIL III: ANWENDUNG

Sprecht darüber:

1. Welche verschiedenen Weltanschauungen öffnen heute dem Bösen und der Tyrannei die Tür, sodass diese in der Gesellschaft Fuß fassen können? Wie erklärt man, dass diese Weltanschauungen von Menschen vertreten werden können, die äußerst freundlich sind und, wie man sagt, „keiner Fliege etwas zuleide tun würden“?

2. Frankl liefert eine Definition des Menschen und die Konsequenzen dieser Definition: „Wenn wir den Menschen als Reflexautomat, als Verstandesmaschine, als Instinktbündel, als Spielball von Trieben und Reaktionen, als bloßes Produkt von Instinkt, Vererbung und Umwelt darstellen, nähren wir den Nihilismus, zu dem der moderne Mensch ohnehin neigt.“ Auf welche Weise unterstützt die Evolutionstheorie diese gefährliche Weltsicht?

3. Die christliche Weltanschauung hält an einem hohen Menschenbild fest. Hier sind zwei Gründe dafür:

a. Wir sind von Gott geschaffen; wir gehören daher ihm und sollen nach seinen Kriterien behandelt werden, nicht nach denen von jemand anderem (Jes 43,1).

b. Wir sind durch das Blut des Sohnes Gottes erlöst, und deshalb ist unser Wert unermesslich (Offb 5,9).

Nennt all die Übel, die uns gesellschaftlich und individuell plagen und die sich zumindest allmählich auflösen würden, wenn die beiden oben genannten biblischen Wahrheiten in die eigene Weltanschauung aufgenommen würden.

Content © 2020 General Conference of Seventh-day Adventists®. All rights reserved. No part of the Adult Sabbath School Bible Study Guide may be edited, altered, modified, adapted, translated, re-produced, or published by any person or entity without prior written authorization from the General Conference of Seventh-day Adventists®. The division offices of the General Conference of Seventh-day Adventists® are authorized to arrange for translation of the Adult Sabbath School Bible Study Guide, under specific guidelines. Copyright of such translations and their publication shall remain with the General Conference.

17/10/2020

Die Augen des Herrn - das biblische Weltbild

18/10/2020

Die Augen des Herrn

19/10/2020

Die Frage von Leibniz

20/10/2020

Das biblische Weltbild

21/10/2020

Betet den Erlöser an

22/10/2020

Das Gesetz Gottes

23/10/2020

Weiterführendes Studium