Verschwörung gegen Daniel

Lies Daniel 6,7–10. Welches Gedankengut steht hinter dem Erlass? Inwiefern spielt er mit der Eitelkeit des Königs?

Darius mag dumm erscheinen, wenn er ein Dekret erlässt, das er bald widerrufen möchte. Er geht den Beamten auf den Leim, die clever genug sind, auf der Klaviatur der politischen Verhältnisse des kürzlich errichteten Reiches zu spielen. Darius hat die Regierung dezentralisiert und über 120 Satrapen ernannt, um die Regierung effizienter zu gestalten. Doch derartiges Handeln birgt auf lange Sicht gewisse Risiken. Ein einflussreicher Statthalter kann leicht eine Rebellion anzetteln und das Reich spalten. Daher scheint ein Gesetz, das jeden zwingt, 30 Tage lang Bittgesuche nur an den König zu richten, eine gute Strategie zu sein, um die Loyalität dem König gegenüber zu fördern und somit jeglichen Aufruhr zu unterbinden. Aber die Beamten führen den König in die Irre, indem sie behaupten, ein derartiger Vorschlag würde von „allen“ Statthaltern, Verwaltungsbeamten, Satrapen, Räten und Beratern unterstützt – eine offensichtliche Unrichtigkeit, da Daniel nicht beteiligt ist. Darüber hinaus mag die Aussicht, wie ein Gott behandelt zu werden, dem König gefallen haben.

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass persische Könige je den Status einer Gottheit für sich in Anspruch genommen haben. Trotzdem könnte das Dekret darauf abgezielt haben, den König 30 Tage lang zum einzigen Stellvertreter der Götter zu machen; das heißt, Gebete zu den Göttern mussten durch ihn vorgebracht werden. Leider erforscht der König die Motive hinter dem Vorschlag nicht. Somit erkennt er nicht, dass das Gesetz, das angeblich Verschwörungen verhindern soll, an sich eine Verschwörung war, um Daniel zu schaden.

Zwei Aspekte des Gesetzes verdienen Beachtung. Erstens besteht die Strafe bei Übertretung darin, in die Löwengrube geworfen zu werden. Da diese Art von Bestrafung nirgends sonst verzeichnet ist, könnte sie ein Ad-hoc-Vorschlag von Daniels Feinden gewesen sein. Monarchen im antiken Nahen Osten hielten Löwen in Käfigen, um sie bei bestimmten Gelegenheiten zur Jagd freizulassen. Somit gab es keinen Mangel an Löwen, um diejenigen zerfleischen zu lassen, die es wagten, gegen das Dekret des Königs zu verstoßen. Zweitens kann das Dekret nicht geändert werden. Die unveränderbare Natur der „Gesetze der Perser und Meder“ wird auch in Ester 1,19 und 8,8 erwähnt. Diodor, ein antiker griechischer Geschichtsschreiber, erwähnt eine Gelegenheit, bei der Darius III. (nicht zu verwechseln mit dem in Daniel erwähnten Darius) seine Meinung änderte und dennoch ein Todesurteil, das er über einen Unschuldigen verhängt hatte, nicht aufheben konnte.

Zusätzliche Lektüre: Ausgewählte Zitate von Ellen G. White

“Die Ehre, die Daniel zuteil geworden war, erregte jedoch die Eifersucht der leitenden Männer des Reiches. „Aber sie konnten keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen finden; denn er war treu, so daß man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte.“ Daniel 6,5. {BH 26.1}

Welch eine Lehre wird hiermit allen Christen gegeben! Tag für Tag waren die lauernden Augen der Eifersucht auf Daniel gerichtet, und was sie sahen, das wurde noch gehässig gedeutet; trotzdem konnten seine Feinde kein Wort und keine Handlung in seinem Leben finden, die auch nur den Schein von Schuld gehabt hätten. Und doch erhob Daniel keinen Anspruch, ein Heiliger zu sein, sondern er tat das, was unendlich besser war: er führte ein getreues und Gott geweihtes Leben. {BH 26.2}

Je makelloser das Verhalten Daniels war, desto mehr steigerte sich der Haß seiner Feinde gegen ihn. „Da sprachen die Männer: Wir werden keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden, es sei denn wegen seiner Gottesverehrung.“ Daniel 6,6. Das war das einzige, dessen er angeschuldigt werden konnte. {BH 26.3}

Nun wurde ein Plan zu seinem Untergang entworfen. Daniels Feinde versammelten sich im Palast und überredeten den König, ein Gesetz zu erlassen, daß während eines Zeitraumes von dreißig Tagen niemand im ganzen Reich etwas von einem Gott oder einem Menschen außer von König Darius erbitte. Wer gegen dieses Gebot handele, solle zur Strafe in die Löwengrube geworfen werden. Der König hatte keine Ahnung vom Haß dieser Männer gegen Daniel und argwöhnte daher auch nicht, daß sich dieser Erlaß gegen diesen Mann richten könnte. Mit Schmeichelworten machten die Feinde Daniels den Monarchen glauben, daß ihm ein solch Gebot zu großer Ehre gereiche. Ein Lächeln satanischer Befriedigung auf den Gesichtern, verließen sie den König und frohlockten darüber, welche Falle sie dem Diener Gottes gelegt hätten. {BH 26.4}”

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