In der Löwengrube

Lies Daniel 6,12–24. Was sagt der König zu Daniel, das zeigt, wie wirkungsvoll ein treuer Zeuge wie Daniel für Gott ist?

Die Verschwörer sehen Daniel bald beten – das heißt, genau das tun, was das Dekret verboten hat. Und als sie dem König die Anklage unterbreiten, sprechen sie herabwürdigend über Daniel: „Daniel, einer der Gefangenen aus Juda.“ (Dan 6,14) In ihren Augen ist einer der wichtigsten Beamten des Reiches, der Favorit des Königs, nichts weiter als „ein Gefangener“. Außerdem spielen sie Daniel gegen den König aus, indem sie sagen: Daniel „achtet weder dich noch dein Gebot, das du erlassen hast“. Jetzt erkennt der König, dass er mit der Unterzeichnung des Dekrets in eine Falle gelockt worden ist. Der Text sagt, dass er sich „bis zum Untergang der Sonne bemühte …, ihn zu befreien“ (Dan 6,15 EB). Aber es gibt nichts, was er tun kann, um den Propheten vor der verordneten Strafe zu schützen. Das unwiderrufliche Gesetz der Meder und Perser muss buchstabengetreu umgesetzt werden. Daher erlässt der König, wenn auch widerstrebend, den Befehl, Daniel zu den Löwen zu werfen. Aber dabei formuliert Darius einen Hoffnungsschimmer, der wie ein Gebet klingt: „Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir!“ (Dan 6,17)

Der Bibeltext gibt nicht an, was Daniel bei den Löwen tut, aber man kann vermuten, dass er betet. Und Gott belohnt Daniels Glauben, indem er ihm zum Schutz seinen Engel schickt. Am Morgen ist Daniel unverletzt und bereit, seine Regierungsgeschäfte wieder aufzunehmen. Ellen White kommentiert diese Episode so: „Gott hinderte Daniels Feinde nicht daran, ihn in die Löwengrube zu werfen. Er erlaubte bösen Engeln und ruchlosen Menschen, es so weit zu treiben; aber das geschah, um die Errettung seines Dieners umso auffälliger zu machen und den Feinden der Wahrheit und Gerechtigkeit eine umso gründlichere Niederlage zu bereiten.“ (MUO 366)

Auch wenn diese Geschichte gut ausging (zumindest für Daniel) – was ist mit den Berichten, selbst denen in der Bibel (siehe z. B. Mk 6,14–29), die nicht in einer irdischen Rettung enden? Wie sollen wir sie verstehen?

Zusätzliche Lektüre: Ausgewählte Zitate von Ellen G. White

“Am frühen Morgen des nächsten Tages eilte der König zu der Löwengrube und rief: „Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, auch erretten können von den Löwen?“ Daniel 6,21. Da hörte er die Stimme des Propheten: „Der König lebe ewig! Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, so daß sie mir kein Leid antun konnten; denn vor ihm bin ich unschuldig, und auch gegen dich, mein König, habe ich nichts Böses getan.“ Daniel 6,22.23. {BH 27.4}

„Da wurde der König sehr froh und ließ Daniel aus der Grube herausziehen. Und sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut.“ Daniel 6,24. Auf diese Weise wurde der Diener Gottes errettet. Die Schlinge aber, die seine Feinde ihm gelegt hatten, führte zu ihrer eigenen Vernichtung. Sie wurden auf Befehl des Königs in die Löwengrube geworfen, wo sie von den wilden Tieren sogleich zerrissen wurden. {BH 28.1}”

“Seinen Dienst hatte der Täufer als ein Mann versehen, der Unrecht vor hoch und niedrig furchtlos tadelte. Er hatte gewagt, dem König Herodes mit offener Mißbilligung der Sünde entgegenzutreten. Ja, er hatte sein eigenes Leben nicht geschont, wenn es galt, den ihm erteilten Auftrag zu erfüllen. Und nun wartete er in seinem Verlies auf den „Löwen“ aus dem Stamme Juda (1.Mose 49,4), der den Hochmut des Unterdrückers dämpfen und die Armen und Jammernden befreien sollte. Jesus hingegen schien sich damit zufriedenzugeben, Jünger um sich zu sammeln und das Volk zu heilen und zu lehren. {LJ 202.3}

Dem einsamen Propheten schien all dies ein Geheimnis zu sein, das seine Fassungskraft überstieg. Es gab Stunden, in denen die Einflüsterungen teuflischer Mächte seinen Geist quälten und der Schatten einer schrecklichen Furcht ihn beschlich. … Das Ergebnis seines Dienstes hatte Johannes bitter enttäuscht. Er hatte erwartet, daß Gottes Botschaft die gleiche Wirkung haben würde wie das öffentliche Lesen des Gesetzes in den Tagen des Josia und des Esra. 2.Chronik 34,14-33; Nehemia 8,9. Er hatte damit gerechnet, daß es zu einer tiefgehenden Buße und Umkehr zum Herrn kommen würde. Dem Erfolg dieses Auftrages hatte er sein ganzes Leben geweiht. Sollte nun alles umsonst gewesen sein? {LJ 203.1}

Hatte er seinen Dienst vielleicht nicht gewissenhaft genug erfüllt und wurde nun deshalb von dem Fortgang seines Auftrages ausgeschlossen? Hätte Jesus, der verheißene und erschienene Erlöser, nicht die Macht des Unterdrückers gebrochen und seinem Boten Johannes die Freiheit wiedergegeben — vorausgesetzt, dieser wäre in seiner Berufung als treu erfunden worden? {LJ 203.2}

Doch der Täufer verlor nicht seinen Glauben an Christus. Die Erinnerung an die Stimme vom Himmel und das Herniederschweben der Taube, die fleckenlose Reinheit Jesu, die Kraft des Heiligen Geistes, die Johannes erfüllt hatte, als er in die Nähe des Heilandes kam, und das Zeugnis der prophetischen Schriften — das alles bezeugte ihm, daß Jesus von Nazareth der Verheißene Gottes war. Matthäus 3,13-17; Markus 1,9-11; Lukas 3,21.22; Johannes 1,32-34. {LJ 203.3}”

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