Daniels Gebet

„Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“ (Mt 6,6)

Lies Daniel 6,11. Warum betet Daniel nicht einfach im Stillen, ohne dass ihn jemand sieht?

Daniel ist ein erfahrener Staatsmann, aber vor allem ist er ein Diener Gottes. Als solcher ist er das einzige Regierungsmitglied, das erkennen kann, was hinter dem Dekret des Königs steckt. Für Darius stellt das Dekret eine Möglichkeit dar, die Einheit des Reiches zu stärken, aber für die Verschwörer ist es eine Strategie, um Daniel loszuwerden.

Natürlich liegen die wahren Gründe und Motive des Komplotts im kosmischen Kampf zwischen Gott und den Mächten des Bösen. Zu dieser Zeit (539 v. Chr.) hat Daniel bereits die in Kapitel 7 (553 v. Chr.) und 8 (551 v. Chr.) verzeichneten Visionen erhalten. Daher kann er das königliche Dekret einordnen – nicht als eine Sache rein menschlicher Politik, sondern als ein Beispiel dieses kosmischen Krieges. Die Vision des Menschensohns, der das Reich dem Volk des Höchsten bringt, und die beruhigende Unterstützung eines Engelübersetzers (Dan 7) gaben Daniel möglicherweise den Mut, sich dem anstehenden Problem frontal zu stellen. Er dachte vielleicht auch über das nach, was seine Gefährten erlebt hatten, die tapfer genug gewesen waren, das Dekret von Nebukadnezar zu missachten (Dan 3).

Daher ändert er seine Andachtsgewohnheiten nicht, sondern fährt mit seiner üblichen Praxis fort, dreimal am Tag Richtung Jerusalem zu beten. Trotz des Verbots, eine Bitte an irgendeinen Menschen oder Gott außer an den König zu richten, trifft Daniel auch in diesen kritischen 30 Tagen keine Vorkehrungen, um sein Gebetsleben zu verstecken oder zu verschleiern. Er stellt die absolute Minderheit dar, da er der Einzige unter Dutzenden Statthaltern und anderer Beamten ist, der sich auf Kollisionskurs mit dem königlichen Dekret befindet. Durch sein öffentliches Gebetsleben zeigt er jedoch, dass die Loyalität, die er Gott schuldet, vor seiner Loyalität zum König und zu dessen unwiderruflichem Dekret rangiert.

Lies Apostelgeschichte 5,27–32. Warum müssen wir – obwohl die Ermahnung hier eindeutig ist –, wenn wir entgegen menschlichen Gesetzen handeln, immer sicher sein, dass das, was wir tun, wirklich Gottes Wille ist? (Denk an Menschen, die lieber starben, als einen Glauben oder ein Glaubenssystem aufzugeben, den oder das wir für falsch halten!)

Zusätzliche Lektüre: Ausgewählte Zitate von Ellen G. White

“Des Königs Erlaß wurde verkündigt. Daniel durchschaute die Absicht seiner Feinde, ihn zu vernichten; doch er änderte sein Verhalten nicht im geringsten. Ruhig versah er seine Amtspflichten; zur gewohnten Stunde begab er sich auf sein Zimmer, um bei Fenstern, die nach Jerusalem hin offenstanden, zum Gott des Himmels zu beten. Damit erklärte er furchtlos, daß keine weltliche Macht das Recht hat, sich zwischen ihn und seinen Gott zu stellen und ihm vorzuschreiben, zu wem er zu beten oder nicht zu beten habe. Welch edler Mann von hohen Grundsätzen! Er steht heute vor der Welt als ein lobenswertes Beispiel christlichen Mutes und christlicher Treue. Er wandte sich Gott von ganzem Herzen zu, wiewohl er wußte, daß auf seine Treue die Todesstrafe stand. {BH 27.1}

Seine Widersacher überwachten ihn den ganzen Tag. Dreimal hatte sich Daniel auf sein Zimmer zurückgezogen, und dreimal war seine Stimme in ernster Fürbitte zu hören. Am nächsten Morgen wurde dem König die Klage vorgebracht, daß Daniel, einer der judäischen Gefangenen, sich dem Erlaß widersetzt habe. Als der König dies erfuhr, gingen ihm sofort die Augen auf über die gestellte Falle. Schmerzlich betrübt über sich selbst, daß er ein solch Gebot erlassen hatte, grübelte er bis zum Sonnenuntergang darüber nach, wie er Daniel retten könnte. Damit hatten die Feinde dieses Propheten schon gerechnet, und so traten sie vor den König mit den Worten: „Du weißt doch, König, es ist das Gesetz der Meder und Perser, daß alle Gebote und Befehle, die der König beschlossen hat, unverändert bleiben sollen.“ Daniel 6,16. {BH 27.2}”

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