Die Immanenz Gottes

Lies Daniel 2,1–16. In welcher Krise befinden sich die Hebräer wegen des Traums, den Gott dem König eingibt?

In der antiken Welt wurden Träume sehr ernst genommen. Wenn ein Traum eine düstere Vorahnung mit sich zu bringen schien, deutete er oft auf eine bevorstehende Katastrophe hin. So ist es verständlich, warum Nebukadnezar sich so sehr um einen Traum sorgte, an den er sich nicht mehr erinnern konnte – was das Ganze noch bedrohlicher machte. Babylonische Gelehrte glaubten, dass die Götter die Deutung von Träumen offenbaren konnten; aber im Fall dieses Traums im Buch Daniel konnten die Gelehrten nichts tun, weil der König den Traum vergessen hatte. Wenn sie den Inhalt des Traums erführen, könnten sie eine Deutung vorlegen, um den König zufriedenzustellen. Aber in dieser noch nie dagewesenen Situation, wo die Traumdeuter nicht in der Lage sind, dem König zu sagen, wovon sein Traum handelt, sind sie gezwungen zuzugeben: „Es gibt auch sonst niemand, der es vor dem König sagen könnte, ausgenommen die Götter, die nicht bei den Menschen wohnen.“ (Dan 2,11)

Von Frustration überwältigt befiehlt der König, alle Weisen Babylons zu töten. Eine derartige Grausamkeit war in der antiken Welt nichts Neues. Historische Quellen belegen, dass Darius I. wegen einer Verschwörung alle Magier hinrichten ließ, und Xerxes bestrafte die Bauleute mit dem Tod, die eine Brücke errichtet hatten, die dann zusammenbrach. Als Nebukadnezar seinen Erlass verkündet, haben Daniel und seine Gefährten ihre Ausbildung gerade beendet und sind in den Kreis der Gelehrten des Königs aufgenommen worden. Aus diesem Grund betrifft der Todeserlass des Königs auch sie. Tatsächlich legt die Originalsprache nahe, dass das Töten sofort beginnt und Daniel und seine Freunde als Nächstes umgebracht werden sollen. Aber Daniel wendet sich mit einem „klugen und verständigen Einwand“ (Dan 2,14 EB) an Arjoch, den Mann, der mit der Durchführung der Exekutionen beauftragt ist. Schließlich erbittet Daniel vom König selbst Zeit, um das Rätsel des Traums zu lösen. Obwohl der König die Magier interessanterweise gerade beschuldigt hat, „Zeit“ gewinnen zu wollen, gewährt er sofort die „Zeit“, um die Daniel nachsucht. Daniel stimmt sicher mit den Magiern überein, dass kein Mensch ein solches Rätsel lösen kann, aber der Prophet kennt auch einen Gott, der sowohl den Inhalt als auch die Deutung des Traums enthüllen kann.

Theologen sprechen von der „Immanenz“ Gottes, dass Gott, obwohl er sich von der Schöpfung unterscheidet, ihr doch sehr nah sein kann. Was lehrt uns die Tatsache, dass Gott König Nebukadnezar einen Traum schickt, wie nah Gott uns sein kann? (Siehe auch Apg 17,28.)

Zusätzliche Lektüre: Ausgewählte Zitate von Ellen G. White

“Weil der Prophet bedingungslos glaubte, daß es Gottes ewiger Ratschluß sei, aus Verwirrung Ordnung zu schaffen und den Nationen der Erde sowie dem ganzen Weltall seine Eigenschaften Gerechtigkeit und Liebe darzutun, trat er vertrauensvoll für die ein, die sich vielleicht von der Sünde zur Rechtschaffenheit bekehren würden. {PK 322.1}

Nun aber war Zion völlig zerstört; das Volk Gottes war in Gefangenschaft. {PK 322.2}

Die dunklen Jahre der Zerstörung und des Todes, die das Ende des Königreichs Juda kennzeichneten, hätten das tapferste Herz verzweifeln lassen, wenn die prophetischen Aussagen der Boten Gottes keinen Trost enthalten hätten. Durch Jeremia in Jerusalem, durch Daniel am Hofe zu Babel, durch Hesekiel an den Ufern des Chebar machte der Herr voll Barmherzigkeit seinen ewigen Ratschluß deutlich. Er versicherte, daß er willens sei, die in den Schriften Moses überlieferten Verheißungen an seinem auserwählten Volk zu erfüllen. Was er den Treuen verheißen habe, werde er bestimmt verwirklichen. „Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.“ 1.Petrus 1,25; Jesaja 40,8. {PK 324.1}”

“Paulus versuchte die Gedanken seiner götzendienerischen Zuhörer über die Schranken ihrer falschen Religion hinauszuheben und ihnen eine wahre Vorstellung von jener Gottheit zu vermitteln, die sie bislang den „unbekannten Gott“ genannt hatten. Dieses Wesen, das er ihnen jetzt verkündigte, war von Menschen unabhängig und hatte es nicht nötig, daß Menschenhände seiner Macht und Herrlichkeit etwas hinzufügten. {WA 237.1}

Das Volk war tief beeindruckt davon, wie der Apostel in überzeugender und logischer Rede die Eigenschaften des wahren Gottes, seine Schöpfermacht und seine allumfassende Vorsehung, darlegte. Mit eindringlicher, mitreißender Beredsamkeit hob er hervor: „Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der ein Herr ist Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln mit Händen gemacht; auch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen, als bedürfe er jemandes, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.“ Apostelgeschichte 17,24.25. Die Himmel sind nicht groß genug, um Gott zu fassen; wieviel weniger vermögen es die von Menschenhänden erbauten Tempel. {WA 237.2}”

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