Das Bild, Teil 2

Lies den Traum und seine Deutung noch einmal (Dan 2,31–49). Was lehrt uns das über Gottes Vorherwissen der Weltgeschichte?

Die Prophezeiung, die durch Nebukadnezars Traum übermittelt wurde, bietet einen allgemeinen prophetischen Überblick und dient als Maßstab, mit dem man sich den detaillierteren Prophezeiungen in Daniel 7, 8 und 11 nähern sollte. Außerdem ist Daniel 2 keine Prophezeiung, die an eine Bedingung geknüpft ist. Sie ist eine apokalyptische Prophezeiung: eine definitive Vorhersage dessen, was Gott vorhersah und tatsächlich in der Zukunft geschehen lassen würde.

  1. Der Kopf aus Gold steht für Babylon (626–539 v. Chr.). Tatsächlich könnte kein anderes Metall die Macht und den Reichtum des babylonischen Reiches besser symbolisieren als Gold. Die Bibel nennt Babylon „die goldene Stadt“ (Jes 14,4 King James Version) und „ein goldener Kelch … in der Hand des HERRN“ (Jer 51,7; vgl. Offb 18,16). Der antike Historiker Herodot berichtet, dass eine Fülle von Gold die Stadt verschönerte.`
  2. Brust und Arme aus Silber stehen für Medo-Persien (539–331 v. Chr.). So wie Silber für weniger wert erachtet wird als Gold, erlangte das medo-persische Reich nie die Pracht des babylonischen Reiches. Außerdem war Silber auch ein passendes Symbol für die Perser, weil sie Silber für ihr Besteuerungswesen nutzten.
  3. Bauch und Hüften aus Bronze symbolisieren Griechenland (331–168 v. Chr.). In Hesekiel 27,13 werden die Griechen als Händler bronzener Gefäße beschriebe. Griechische Soldaten erkannte man an ihrer Bronzerüstung. Ihre Helme, Schilde und Streitäxte waren aus Messing. Herodot berichtet uns, dass Psammetich I. von Ägypten die einfallenden griechischen Piraten als Erfüllung eines Orakels ansah, das „Männer aus Bronze, die vom Meer kommen“ vorhergesagt hatte.
  4. Beine aus Eisen stehen passenderweise für Rom (168 v. Chr. – 476 n. Chr.). Wie Daniel erklärte, stellte Eisen die zerstörerische Macht des Römischen Reiches dar, das länger anhielt als jedes der vorherigen Reiche. Eisen war ein perfektes Metall, um das Römische Reich zu symbolisieren.
  5. Füße teils aus Eisen und teils aus Ton symbolisieren ein geteiltes Europa (476 n. Chr. – Wiederkunft Christi). Die Mischung aus Eisen und Ton ist ein passendes Bild für das, was nach dem Zerfall des Römischen Reiches geschah. Obwohl es viele Versuche gab, Europa zu einen – von Ehebündnissen zwischen Königshäusern bis hin zur heutigen Europäischen Union –, herrschten Spaltung und Uneinigkeit vor und werden laut dieser Prophezeiung bestehen bleiben, bis Gott das ewige Reich aufrichtet.

Zusätzliche Lektüre: Ausgewählte Zitate von Ellen G. White

“Wer das Wort Gottes eifrig erforscht, kann in der Geschichte der Völker die buchstäbliche Erfüllung der göttlichen Weissagung beobachten. Zerschmettert und zugrunde gerichtet, ging Babylon schließlich unter, weil sich seine Herrscher für unabhängig von Gott gehalten und den Glanz ihres Reiches menschlicher Leistung zugeschrieben hatten. {PK 350.2}

Noch unedler und verderbter waren die folgenden Reiche. Sie sanken immer tiefer auf der Waagschale sittlicher Werte. {PK 350.3}

Die Macht, die ein Herrscher auf Erden ausübt, ist ihm vom Himmel verliehen. Sein Erfolg hängt davon ab, wie er die ihm zugewiesene Macht gebraucht. {PK 350.4}

Die Auswirkung dieser Grundsätze in der Machtbekundung dessen zu erkennen, der Könige absetzt und Könige einsetzt, heißt, den wahren Sinn der Geschichte zu verstehen. Daniel 2,21. {PK 351.1}”

“Jede Nation, die die Weltbühne betreten hat, durfte ihren Platz auf Erden einnehmen, damit entschieden werde, ob sie die Absichten des Wächters und des allein Heiligen erfülle. Die Prophetie hat die Entstehung und Entwicklung der großen Weltreiche — Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom — aufgezeichnet. Bei jedem von ihnen, wie auch bei den nicht so mächtigen Reichen, hat sich die Geschichte wiederholt. Jedes hatte seine Zeit der Erprobung; jedes versagte; sein Ruhm verblaßte, seine Macht schwand dahin. {PK 374.1}

Während Völker Gottes Grundsätze verwarfen und dadurch ihren eigenen Untergang herbeiführten, waltete doch offensichtlich zu allen Zeiten ein göttlicher, alles beherrschender Plan. {PK 374.2}”

“Durch den Traum von dem großen Standbild, der Nebukadnezar geschenkt worden war und ihm Ereignisse enthüllte, die sich bis zum Ende der Zeiten erstreckten, sollte er begreifen, welche Rolle er selbst in der Weltgeschichte spielen und welche Beziehung sein Reich zum Himmelreich aufrechterhalten sollte. Die Auslegung des Traumes hatte ihn klar über die Aufrichtung des ewigen Gottesreiches unterrichtet. „Aber zur Zeit dieser Könige“, so hatte Daniel ihm erklärt, „wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben … Der Traum ist zuverlässig, und die Deutung ist richtig.“ Daniel 2,44.45. {PK 352.1}

Der König hatte die Macht Gottes anerkannt, als er zu Daniel sagte: „Es ist kein Zweifel, euer Gott ist ein Gott über alle Götter …, der Geheimnisse offenbaren kann.“ Daniel 2,47. Danach stand Nebukadnezar eine Zeitlang unter dem Einfluß der Gottesfurcht, aber sein Herz war noch nicht gereinigt von weltlichem Ehrgeiz und vom Wunsch nach Selbsterhöhung. Der Wohlstand, der seine Regierung begleitete, erfüllte ihn mit Stolz. Bald ließ er davon ab, Gott zu ehren, und nahm mit verstärktem Eifer und mit Fanatismus seine Götzenverehrung wieder auf. {PK 352.2}”

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